Fonds oder ETFs? Von Bedeutung ist vielmehr das Verhalten des Investors

Anleger, die Kapital langfristig anlegen oder sparen möchten, stolpern früher oder später über eine recht lebhafte Debatte in Fachkreisen und Presse. Im Kern geht es bei dieser „Glaubensfrage“ darum, ob „passive“ ETFs (Indexfonds) oder „aktiv“ verwaltete Fonds bzw. die Beauftragung eines Vermögensverwalters mit der Geldanlage der zu präferierende Königsweg sind.

Für beide Varianten gibt es stichhaltige Argumente und wissenschaftliche Untersuchungen, die im Folgenden kurz dargestellt werden. Eine jährlich aktualisierte Untersuchung der Research-Firma Dalbar (21st annual Quantitative Analysis Of Investor Behavior Study) zeigt aber, dass die Entscheidung „Aktiv oder Passiv“ für den langfristigen Anlageerfolg eher nebensächlich ist.

Zahlreiche Studien haben bereits nachgewiesen, dass es langfristig nur sehr wenigen Fondsmanagern gelingt, in etablierten Kapitalmärkten kontinuierlich eine Zusatzrendite (auf Grund von Timingaspekten oder Einzeltitelselektion) gegenüber der Markt- bzw. Indexrendite zu erwirtschaften. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich konsequent, dass „passive“ Instrumente wie börsengehandelte Indexfonds (ETF), die kostengünstig (Aktien-) Indizes abbilden, zunehmend beliebter werden und rasant wachsen.

Kann ich als Anleger auf aktiv gemanagte Fonds verzichten?

aktive oder passive fondsAus Anlegersicht ist allerdings auch zu bedenken, dass ein reines passives Investieren nicht möglich ist. Die Zusammensetzung eines Portfolios aus passiven Bausteinen / ETFs (Welche Bausteine bzw. Märkte? Welche Gewichtung?) bedarf aktiver – möglichst cleverer – Entscheidungen des Anlegers. Zudem weisen viele ETFs im Detail kleine aber feine Unterschiede auf, auch wenn sie sich auf den gleichen Index beziehen. Zudem zeigt sich, dass die Datensätze vieler Studien zur unvorteilhaften Performance aktiver Fonds durch die Berücksichtigung „nur“ vermeintlich aktiver Fonds verwässert sein könnten. Es ist in der Branche weit verbreitet, dass Fondsmanager sich relativ nah an ihrer Benchmark (Vergleichsindex) orientieren („verkappter Index-Tracker“). Eine Outperformance nach Kosten und Gebühren ist so faktisch nicht möglich. Des Weiteren bleibt in den Statistiken häufig die Fondsgröße außer Betrachtung. Ein Erfolgsfonds mit einem Fondsvolumen von mehreren Milliarden Euro findet genauso große (bzw. geringe) Wertschätzung wie ein schlechter Fonds mit nur rund 10 Millionen Euro Fondsvolumen, der möglicherweise kurz vor der Liquidation steht.

Interessanterweise zeigen Untersuchungen, die sich mit den Ergebnissen sehr aktiver Fondsmanager beschäftigen, die weitestgehend unabhängig von ihren Vergleichsindizes anlegen - in der Fachsprache einen hohen Active Share aufweisen –, dass diese im Durchschnitt signifikant höhere Renditen aufweisen. Dies gilt auch nach Abzug von Gebühren und Transaktionskosten. Beispielhaft zeigt eine Studie von INVESCO, dass gemessen am verwalteten Vermögen (Wichtig: gute Manager ziehen Kapital an, schlechte Verwalter verlieren Gelder) in den letzten fünf Marktzyklen (Juli 1998 bis Dezember 2014) über 60 % der amerikanischen Fonds mit einem hohen Active Share nach Gebühren besser als ihre Benchmark waren. Dies gilt für den Mehrertrag, die Downside Capture und den risikoadjustierten Ertrag. Der US-Investmentstratege und Universitätsprofessor Michael J. Mauboussin stellt in diesem Kontext heraus, dass typischerweise die Manager langfristig zu den Gewinnern zählen (und einen hohen Active Share aufweisen), die das Investieren als Beruf(ung) bzw. Handwerk und nicht als Geschäft (Orientierung auf Marketing, Fondsvolumen, Trends, Begrenzung des Geschäftsrisikos durch indexnahes Investieren, etc.) verstehen.

Sind nun ETFs, aktive Fonds oder eine Mischung aus beidem der goldene Mittelweg bei der Kapitalanlage?

Weder noch wie die Studie von Dalbar zeigt. Entscheidend ist vielmehr, dass eine einmal getroffene Anlageentscheidung langfristig beibehalten und auch in turbulenten Marktphasen „durchgestanden“ wird.

Fonds oder ETFsDer durchschnittliche Privatanleger hat in den USA in den vergangenen 30 Jahren pro Jahr nämlich deutlich mehr als 1,5 % pro Jahr (gilt etwa als zusätzliche Kostenbelastung eines aktiven Fonds gegenüber einem ETF) schlechter als der Aktienmarkt abgeschnitten. Während der US-Aktienmarkt (S&P 500) um gut 10 % pro Jahr zulegen konnte, schaffte der Durchschnittsinvestor in Aktienfonds nur knapp 4 % pro Jahr. Ähnlich ernüchternd sehen auch die Zahlen für den durchschnittlichen Anleiheninvestor aus. Die Untersuchung zeigt deutlich, dass der wesentliche Anteil des Minderertrags nicht auf die „aktiven“ Fondsmanager sondern auf aktive Entscheidungen der Privatanleger zurückgehen (zum falschen Zeitpunkt kaufen und wieder verkaufen, Bewertungen ignorieren, mangelndes Verständnis für zugrundeliegende Geschäftsmodelle, Verfolgung „heißer Tipps“ und Trends, zu geringe Diversifikation).

Die größte Divergenz ergibt sich dabei zwischen den Indizes und Investorenportfolios, wenn die Märkte zum Extrem neigen. Vor diesem Hintergrund ist es wenig wahrscheinlich, dass ein Privatanleger die mit konventionellen Fonds oder Aktien begangenen Fehler nicht mit ETFs erneut macht.

Wichtig ist die passende Anlagestrategie

Für den Erfolg bei der langfristigen Kapitalanlage bzw. bei langfristigen Sparvorgängen ist es daher entscheidend, die individuell passende Anlagestrategie zu finden, die auch in turbulenten Marktphasen emotional durchgestanden werden kann. Dann können typische Verhaltensfehler in Stressphasen vermieden und mittel- bis langfristig die erwarteten Ergebnisse erzielt werden. Die Ergebnisse von Dalbar zeigen, dass hingegen ein ständiges „Hin und Her“ zu enttäuschenden Ergebnissen führt.

Autor: Daniel Oyen, von Plettenberg, Conradt & Cie. Family Office GmbH

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